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JTBD & Kundenverständnis

Hypothesenbasiert Arbeiten

Lesezeit 12 Min.

Dein Team diskutiert seit Wochen über Prioritäten, aber niemand hat mit einem Kunden gesprochen. Die Roadmap basiert auf Stakeholder-Meinungen, nicht auf Evidenz. Und das letzte Produkt-Launch? Hat die Zielgruppe verfehlt.

Hypothesenbasiertes Arbeiten ist für mich ein strukturiertes Vorgehen, um blinde Flecken systematisch zu erkennen, zu bewerten und zu beseitigen. Wichtig ist das vor allem, wenn du dich auf unsicheres Terrain begibst, also im Innovations- oder Explorationsmodus bist. Denn genau da neigen wir dazu, uns selbst zu betrügen.

Hypothesenbasiert arbeiten in fünf Schritten

Das funktioniert ganz gut in fünf Schritten:

  1. Hypothese definieren. Schreib auf, woran du eigentlich glaubst – was du für richtig hältst.
  2. Prüfweg überlegen. Überleg dir, wie du die Hypothese prüfen kannst.
  3. Messung festlegen. Leg fest, was du messen willst und wie.
  4. Kriterien definieren. Leg vorher fest, woran du es erkennst: Welches Messergebnis heißt „ich liege richtig“, welches heißt „ich liege falsch“?
  5. Die vier möglichen Ergebnisse klarmachen. Mach dir bewusst, was beim Test herauskommen kann. Dazu gleich mehr.

Vier mögliche Ergebnisse

Wenn du getestet hast, sind prinzipiell vier Ergebnisse möglich:

  • Bestätigt. Die Annahme stimmt. Du hast jetzt stärkere Belege dafür, weil du ein Experiment gemacht hast.
  • Widerlegt. Dann wirfst du die Annahme über den Haufen, gehst zurück in dein Business-Model-, Wertangebots- oder Kanaldesign und überlegst neu. Oder du testest anders und machst ein weiteres Experiment.
  • Unklar. Dann musst du nochmal testen. Vielleicht waren deine Messkriterien unsauber oder der Test war nicht geeignet, die Annahme zu prüfen.
  • Neue Erkenntnis. Darüber hinaus erfährst du etwas, das du vorher gar nicht wusstest. Das baust du wieder ein – in dein Geschäftsmodell-Design, dein Produktdesign oder dein Marketing, je nachdem, was du getestet hast.

Warum wir uns so leicht selbst betrügen

Wir hängen an liebgewonnenen Gewohnheiten, so wie alle Menschen. Und wir haben eine unbewusste, starke Bindung an unsere eigenen Glaubenssätze und Ideen. Uns davon zu trennen ist sehr, sehr schwierig.

Umso wichtiger ist ein strukturiertes Vorgehen: die eigenen Annahmen erkennen, bewerten, gewichten, einordnen und dokumentieren. Dann siehst du auch deinen eigenen Fortschritt.

Gerade in der Arbeit mit Jobs to Be Done und dem Wheel of Progress geraten eigene Glaubenssätze oft ziemlich schnell in Gefahr. Hast du vorher festgelegt, woran du erkennst, dass du falsch liegst, behältst du einen klaren Blick und verblendest dich nicht selbst.

Wann hypothesenbasiertes Arbeiten den Unterschied macht

In der Praxis begegnen mir immer wieder dieselben Situationen, in denen Teams glauben, ihre Kunden zu verstehen – aber auf keiner einzigen geprüften Hypothese stehen:

  • „Wir wissen, was unsere Kunden wollen“ – aber die letzte echte Kundenforschung ist drei Jahre her, und seitdem hat sich der Markt verändert.
  • „Das Feature wurde vom Vertrieb gewünscht“ – Stakeholder-Wünsche sind keine Kundenevidenz. Sie sind Supply-Side Thinking.
  • „Die Konkurrenz macht das auch“ – Wettbewerber kopieren ist das Gegenteil von Innovation. Es ist die Übernahme fremder, ungeprüfter Annahmen.
  • „Wir hatten keine Zeit für Kundenforschung“ – Aber Zeit für drei Feature-Iterationen, die niemand nutzt? Ein Customer Insights Sprint dauert wenige Wochen vom ersten Gespräch bis zur Entscheidungsgrundlage und spart Monate.

Hypothesenbasiertes Arbeiten ist das Gegenmittel: Du formulierst, was du glaubst zu wissen. Du definierst, was dich widerlegen würde. Und dann testest du – mit echten Kunden, echten Daten, echten Entscheidungen.

Werkzeuge, die dabei helfen

Diese Werkzeuge setzen wir ein, je nachdem, ob online oder offline:

  • Testkarten von Strategyzer. Gut zum Üben: Wie formulierst du vernünftig Hypothesen und Prüfkriterien? Offline sind sie nicht teuer.
  • Lernkarten. Hier dokumentierst du, welche neuen Erkenntnisse du gewonnen hast und wie sie genau aussehen.
  • Screener-Cards. Die nutzen wir, um Kandidaten für JTBD-Interviews zu identifizieren – eine spezielle Art von Test- oder Hypothesenkarte. Unsere Werkzeuge für JTBD-Interviews
  • Assumption-Map. Ob man die nun braucht, sei mal dahingestellt. Im Prinzip ist sie eine Matrix: Ist eine Annahme wichtig oder unwichtig? Hast du dazu schon Gewissheit oder nicht? So sortierst du, was du wirklich testen musst, was du direkt in dein Business-Model-Design, Produktdesign oder Marketing einbauen kannst und was du gleich bleiben lassen kannst.

Video: Hypothesenbasiert arbeiten in 6 Minuten erklärt

Innovation Podcast hypothesen basiert arbeiten

Das Ganze erkläre ich auch in einem Shot von rund sechs Minuten, Innovate & Upgrade Staffel 2, Episode 039. Gleich hier reinhören:

Hier direkt I+U Staffel 2 Episode 039 anhören

Alle Zeitstempel der Kapitel dieser Episode:

00:00:00 Intro
00:00:25 Klärung
00:01:56 5 Schritte
00:02:51 Vier mögliche Ergebnisse
00:04:29 Tools
00:05:41 Get out


Wo hakt euer Entscheidungsprozess?

Hypothesenbasiert arbeiten beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Der Entscheidungsloop-Check zeigt dir in 10 Minuten, an welcher Stelle euer Entscheidungsprozess Kunden verliert – und was du konkret ändern kannst.

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Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet hypothesenbasiert arbeiten?

Hypothesenbasiert arbeiten heißt: Entscheidungen nicht auf Annahmen oder Bauchgefühl stützen, sondern auf geprüfte Hypothesen. Du formulierst eine klare These (z. B. „Wir glauben, dass unsere Kunden wegen X kaufen“), testest sie mit echter Evidenz – und handelst erst dann. So erkennst du blinde Flecken, statt an liebgewonnenen Ideen festzuhalten.

Wie funktioniert der Hypothesen-Prozess in der Praxis?

In fünf Schritten. Erstens schreibst du deine Hypothese auf: Woran glaubst du eigentlich? Zweitens überlegst du, wie du sie prüfen kannst, zum Beispiel mit JTBD-Interviews. Drittens legst du fest, was und wie du messen willst. Viertens definierst du Kriterien: Bei welchem Ergebnis liegst du richtig, bei welchem falsch? Fünftens machst du dir klar, dass vier Ergebnisse möglich sind – bestätigt, widerlegt, unklar oder eine neue Erkenntnis.

Was hat Jobs-to-be-Done mit Hypothesen zu tun?

JTBD ist das Werkzeug, um Hypothesen über Kundenmotivation zu testen. Die meisten Annahmen über „Warum kaufen Kunden?“ sind falsch – nicht weil Teams naiv sind, sondern weil Supply-Side-Denken die Sicht verzerrt. JTBD-Interviews liefern die Evidenz, die Hypothesen entweder bestätigt oder widerlegt.

Für wen ist hypothesenbasiertes Arbeiten relevant?

Für jedes Team, das strategische Entscheidungen trifft: Produktentwicklung, Marketing, Vertrieb, Geschäftsführung. Überall dort, wo Annahmen teuer werden – neue Produkte, Positionierungswechsel, Markteintritt, Budgetallokation –, hilft hypothesenbasiertes Arbeiten, blinde Flecken zu erkennen, bevor du darauf baust.


Wenn die Methode unter Termindruck angewendet wird

Hypothesenbasiert priorisieren ist ein Denk- und Entscheidungs-Werkzeug. Wenn die Quartalspräsentation in 4–8 Wochen steht und die Datenbasis fehlt, liefert ein Customer Insights Sprint die Evidenz, die intern trägt – in wenigen Wochen vom ersten Gespräch bis zur Entscheidungsgrundlage, mit Stakeholder-fähigem 1-Seiten-Briefing.

→ Wenn du im Quartal entscheiden musst, sind Annahmen keine Grundlage


Weiterlesen

Symptom-Diagnose dazu: Wenn deine Hypothese sich nicht bestätigt – was hilft dann? Drei Projekte zeigen, warum die angenommene Kaufbarriere fast nie die echte ist: Warum kaufen Kunden nicht, obwohl das Produkt gut ist?

Hintergrund: Wer hypothesenbasiert arbeitet, prüft Annahmen – wer wissen will, warum überhaupt entschieden wird, prüft die Mechanik hinter Kaufentscheidungen.

Wie das in einem echten Projekt aussieht, zeigt die Bitcoin-Adoptionsstudie 2026: 35 Tiefeninterviews, ausgewertet mit dem Wheel of Progress.

Wenn du daran interessiert bist, Innovation und Transformation mit Jobs-to-Be-Done umzusetzen und begeisterte Kunden sowie Mitarbeitende gewinnen möchtest, kannst du dich gerne bei uns melden. Wir bieten Workshops, Sprints und Trainings an, die genau darauf abzielen.

Wer Annahmen prüft, will wissen, was sich im Feld tatsächlich bewegt. Genau dafür gibt es den OC-Radar: alle zwei Wochen zwei, drei Signale zwischen KI und Kundenverständnis und ein Fall aus unserer laufenden Forschung.

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Das komplette Transkript der Folge lesen

Wörtlich, wie gesprochen – nur in Kapitel gegliedert.

Intro (00:00)

In diesem Shot geht es um Hypothesen-basiertes Arbeiten, darum, was das eigentlich genau ist, wie geht das, warum ist das so wichtig und welche Werkzeuge können dabei helfen. Willkommen bei einem Innovate & Upgrade Shot. Hier geht es kurz und knackig um ganz praktische Fragen aus dem Bereich Kundeninterviews, Jobs to Be Done und The Wheel of Progress. Mein Name ist Peter Rochel und jetzt geht’s los.

Klärung: Was ist hypothesenbasiertes Arbeiten? (00:25)

Hypothesen-basiertes Arbeiten ist für mich ein strukturiertes Vorgehen, um blinde Flecken systematisch zu erkennen, zu bewerten und zu beseitigen. Und das Ganze ist vor allen Dingen dann wichtig, wenn man sich auf unsicheres Terrain begibt beziehungsweise im Innovations- oder Explorationsmodus ist ganz besonders wichtig, weil wir dazu tendieren, uns selbst zu betrügen.

Das heißt, wir hängen an unseren liebgewonnenen Gewohnheiten, so wie alle Menschen das tun und natürlich haben wir alle eine unbewusste, starke Bindung an unsere eigenen Glaubenssätze und liebgewonnenen Ideen. Und uns davon zu trennen ist sehr, sehr schwierig, umso wichtiger, dass wir ein strukturiertes Vorgehen haben, um die eigenen Annahmen erkennen zu können, sie zu bewerten, zu gewichten, einzuordnen, zu dokumentieren und dann auch den eigenen Fortschritt erkennen können.

Gerade im Bereich der Arbeit mit der Jobs-to-Be-Done-Theorie und den Methoden, die es dazu gibt, wie beispielsweise der Arbeit mit dem Wheel of Progress, kommt es sehr oft vor, dass die eigenen Glaubensgesetze ziemlich schnell in Gefahr geraten. Also umso wichtiger, dort auch mit hypothesenbasiertem Vorgehen die Sache anzupacken. Also das macht das Ganze umso wichtiger, dass man da einen klaren Blick drauf bekommt und sich nicht selbst verblendet. Ganz wichtig.

Die fünf Schritte (01:56)

Und das Ganze kann man sich vorstellen, dass das ganz gut in fünf Schritten funktioniert. Das erste ist überhaupt erstmal die Hypothese zu definieren, also aufzuschreiben, an was glaubt ihr eigentlich oder an was glaubst du eigentlich, was denkst du, was ist richtig. Zweitens überleg dir, wie du das prüfen kannst.

Drittens überleg dir halt dann, wie willst du das jetzt messen oder was willst du überhaupt messen. Dann überleg dir, welche Kriterien setzt du an, um einen Beleg dafür zu haben, dass du denkst, okay, wenn das passiert und ich das messe, dann liege ich richtig und wenn ich das messe, dann liege ich falsch. Also Kriterien definieren.

Vier mögliche Ergebnisse (02:51)

Und als letztes mach dir nochmal klar, wenn du auf diese Art hypothesenbasiert arbeitest, das heißt du hast deine Hypothese definiert, deine Annahme definiert, du hast es gemessen, hast getestet und dann kannst du prinzipiell vier verschiedene Ergebnisse bekommen. Du kannst entweder herausbekommen, okay, die Annahme stimmt, ich lag richtig, jetzt habe ich etwas stärkere Beweise dafür, weil ich ja ein Experiment gemacht habe und das konnte ich bestätigen.

Zweite Variante ist, dein Experiment konnte die Annahme nicht bestätigen und hat sie konkret sogar widerlegt. Dann hast du drei Möglichkeiten. Entweder du wirfst es über den Haufen, gehst nochmal zurück in dein Business Model Design oder in dein Wertangebotsdesign oder was auch immer du machst oder dein Kanaldesign und fängst nochmal von vorne an, überlegst dir, was muss ich denn dann machen.

Und die dritte Variante wäre dann, wenn der Test deine Annahme widerlegt hat, dass du gegebenenfalls nochmal anders testest und ein weiteres Experiment durchführst. Also, erste Möglichkeit war, Hypothese bestätigt, zweite Möglichkeit war, Hypothese widerlegt. Dritte Möglichkeit wäre, du kriegst ein unklares Ergebnis.

Und dann heißt das, du musst dann wohl nochmal testen, weil vielleicht sind deine Messkriterien unsauber gewesen oder der Test nicht geeignet, um die Annahme zu überprüfen oder, oder, oder. Und wenn etwas unklar ist, bleibt dir nichts anderes übrig, musst du nochmal testen.

Die vierte Möglichkeit eines Ergebnisses ist, du bekommst darüber hinaus noch eine vollkommen neue Erkenntnis, etwas, was du vorher noch gar nicht wusstest. Und das heißt dann auch, das kannst du wieder einbauen in dein Geschäftsmodell Design oder in dein Produktdesign oder in dein Marketing, je nachdem, was du getestet hast.

Werkzeuge (04:29)

Tools, die du dafür einsetzen kannst, die dabei helfen oder die ich auch einsetze, die wir einsetzen, die dabei helfen, je nachdem, ob jetzt online oder offline. Aber offline kann man sich die mal ganz gut angucken, ist auch nicht teuer. Es gibt beispielsweise von Strategyzer Testkarten, die sind hervorragend dafür geeignet, das auch mal ein bisschen zu üben.

Wie formuliert man eigentlich vernünftig Hypothesen und Prüfkriterien und den ganzen Kram. Dann gibt es noch Lernkarten, wo du auch dokumentieren kannst, wenn du neue Erkenntnisse gewonnen hattest, wie sehen die jetzt genau aus.

Dann haben wir unsere Screener-Cards, die wir verwenden, wenn es darum geht, Jobs-to-Be-Done Interview-Kandidaten zu identifizieren und quasi das ist so eine spezielle Art von Test- oder Hypothesenkarte, die wir da einsetzen. Und dann gibt es auch noch eine Assumption-Map, die, naja, ob man die nun braucht oder nicht, mal dahingestellt, aber ist im Prinzip wie so eine Matrix, wo du dann deine Annahmen nochmal bewerten kannst im Sinne von, okay, sind die wichtig oder unwichtig, habe ich hier schon Gewissheiten oder habe ich hier keine und dann kannst du das mehr oder weniger sortieren und festlegen, was musst du wirklich testen, was kannst du direkt in dein Business-Model-Design oder in dein Produkt-Design, in dein Marketing einbauen und was ist sowieso nicht wichtig und kannst du dann auch gleich bleiben lassen.

Zum Schluss (05:41)

Das war es auch schon für heute und wenn du jetzt denkst, hey, ich will Innovation und Transformation endlich auch mit Jobs-to-Be-Done umsetzen, so dass du immer ausreichend begeistert zahlende Kunden hast und begeisterte Mitarbeitende, die gern langfristig einen richtig guten Job bei dir machen möchten, dann melde dich bei mir, denn genau dabei kann ich dir helfen mit unseren Workshops und Sprints und Trainings zum Beispiel. Es ist nämlich genau das, was wir machen und dabei ist es egal, wie klein oder groß dein Unternehmen ist, fast egal in welcher Branche, in Deutsch, Englisch oder Spanisch.

Alle Links und Kontaktmöglichkeiten zu mir findest du in den Shownotes und natürlich freue ich mich riesig, wenn du diesen Podcast weiterempfiehlst oder sogar bewertest und mir Feedback gibst. Vielen Dank für deine Zeit und hoffentlich bis bald.

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