Navigating Complexity.
Evidence to Impact.

Jetzt Kontakt aufnehmen
JTBD & Kundenverständnis

Job oder Flop: Das Smart Home verkauft dir den Lichtschalter zurück

Lesezeit 6 Min.

Homey Portal · Stand 7. Oktober 2026 · Perspektive: Nutzer

Job oder Flop ist ein Prüfstand. Wir nehmen ein Produkt, rekonstruieren den Job, den es zu erledigen verspricht, und rechnen nach, was davon unter realen Bedingungen übrig bleibt. Sechs Kriterien, je 1 bis 5 Warnpunkte: Einer heißt „läuft“, fünf heißen „Achtung“. Die beste Gesamtnote sind also 6 Warnpunkte, die schlechteste 30.

Job oder Flop: Homey Portal – Bewertung mit 16 von 30 Warnpunkten, Urteil „Job mit Haken“

Der Fall

Das Homey Portal ist ein rundes Bedienteil mit 2,8-Zoll-Touchscreen und einem Drehregler aus Edelstahl. Es steht auf dem Schreibtisch oder hängt an der Wand. Du tippst auf eine Lampe, drehst am Regler, das Licht wird heller. Thermostate, Lautsprecher und Rollläden gehen genauso.

Die erste Charge zum Einführungspreis von 249 Euro ist ausverkauft. Wer heute vorbestellt, zahlt 299 Euro, Versand voraussichtlich im Januar 2027.

Und dann kommt der Teil, der im Marketing nicht vorne steht: Das Portal ist selbst keine Zentrale, also nicht das Gerät, über das deine Lampen und Thermostate ins System eingebunden sind. Es braucht eine, und zwar eine von Homey. Zur Wahl stehen die Homey Cloud, kostenlos bis fünf Geräte und danach 2,99 Euro im Monat, ein Homey Pro mini für 279 Euro, ein Homey Pro für 449 Euro oder ein selbst betriebener Server für 4,99 Euro im Monat oder 149 Euro einmalig.

Dazu kommt: Ein Portal gehört laut Homey zu einem Bereich, zum Beispiel zum Wohnzimmer, und steuert alles darin. „Um einen anderen Bereich zu steuern, musst du dort ein weiteres Homey Portal platzieren.“ Einzelne Geräte aus anderen Räumen lassen sich zwar antippen oder als Shortcut ablegen, gebaut ist das Portal aber für den einen Raum, in dem es hängt. The Verge hat nachgerechnet, was es kostet, drei Räume so auszustatten: knapp 900 Dollar. Und da ist die Zentrale noch nicht dabei. In Euro: drei Portale im Dreierpack kosten 877 Euro. Über die Cloud kostet die Zentrale nichts, solange höchstens fünf Geräte angeschlossen sind, danach 2,99 Euro im Monat; mit einer eigenen Box landen drei Räume bei 1.156 Euro (Pro mini) oder 1.326 Euro (Pro).

Status

Vorbestellung aus der zweiten Charge, Versand voraussichtlich Januar 2027.

Bewertung

KriteriumWarnpunkte
Problem-Plausibilität2/5Der Schmerz ist echt. Zwölf Apps für ein Wohnzimmer nerven wirklich.
Friktion und Overhead4/5Das Gerät löst die Bedienung und erzeugt dafür eine Plattformentscheidung, ein Abo oder einen zweiten Kauf.
Kontexttauglichkeit3/5Funktioniert, solange alle Geräte mit der Zentrale von Homey zusammenarbeiten. Für viele bekannte Marken gibt es dafür eine App. Wer aber schon eine andere Zentrale betreibt, fängt bei der Plattform von vorn an.
Marketing vs. Realität3/5Kommuniziert wird der Gerätepreis. Mit welchen Zentralen das Portal läuft und dass die Cloud bis fünf Geräte kostenlos ist, steht auf der Produktseite; was danach anfällt und was die Boxen kosten, steht auf anderen Seiten.
Risiko für Nutzer2/5Das Risiko ist finanziell und heißt Bindung; ein Sicherheitsrisiko sehen wir nicht.
Exit- und Nachhaltigkeitszweifel2/5LG steht dahinter. Das spricht eher für Bestand.
Gesamt16/30

Hinweis zur Bewertung: Der ursprüngliche Prüflauf kam auf 14/30. Er rechnete mit 249 Euro als Preis und kannte die Systemkosten nicht. Nachdem die Kosten der Zentrale nachgeschlagen waren, stiegen Friktion von 3 auf 4 und Marketing gegen Realität von 2 auf 3. Wir lassen die Korrektur sichtbar stehen, weil sie zeigt, woran solche Urteile hängen: an einer Zahl, die man nachschlägt statt übernimmt.

Das Urteil

Kein Flop. Das Problem ist echt, das Gerät ist ehrlich, und wer schon im richtigen Ökosystem wohnt, bekommt genau das, was versprochen wird. Aber ein Job mit Haken: Der genannte Preis ist der Einstiegspreis. Die Systemkosten stehen woanders.

Der behauptete Job

„Wenn mein Zuhause aus vielen vernetzten Geräten besteht, möchte ich sie an einem Ort unmittelbar bedienen, damit ich nicht ständig zwischen Apps und Bedienlogiken wechseln muss.“

Der Job ist gut. Er beschreibt einen echten Fortschritt, und er ist beobachtbar: Entweder du greifst noch zum Handy oder nicht mehr.

Was davon übrig bleibt

Ein Drehregler an der Wand ist tatsächlich besser als zwölf Apps. Also liegt die Pointe eine Ebene über der Bedienung.

Smart Home hat den Lichtschalter durch eine App ersetzt. Und jetzt verkauft dir Smart Home den Lichtschalter zurück, für 299 Euro pro Raum, plus Zentrale. Der Job wird erledigt, aber der Fortschritt führt halt im Kreis.

Und der Job hat sich dabei verschoben. Du wolltest nicht mehr zwischen Apps wechseln. Bekommen hast du eine Entscheidung für ein Ökosystem, die du vorher nicht treffen musstest.

Was das für Entscheider heißt

Dasselbe Muster findest du in vielen Softwareangeboten, die auf deinem Tisch landen.

Der genannte Preis ist der Einstiegspreis. Die Systemkosten stehen woanders: Konnektor, Lizenzstufe, Datenmigration, der zweite Arbeitsplatz, das Modul, ohne das die Funktion aus der Demo nicht läuft. Jede dieser Positionen steht irgendwo im Angebot, meist ein paar Folien hinter dem Preis.

Und wir glauben, es gibt eine Frage, die das fast immer aufdeckt. Sie gehört vor die Frage nach dem Preis:

Was muss bei uns zusätzlich wahr sein, damit das funktioniert, was gerade gezeigt wurde?

Wer darauf keine Antwort hat, verkauft dir ein Bedienteil ohne Zentrale. Die Antwort darauf ist eine Annahme. Und Annahmen schreibt man auf und prüft sie, bevor man unterschreibt – wie das in fünf Schritten geht, steht hier: https://oberwasser-consulting.de/hypothesenbasiert-arbeiten/

Und wenn du auf der anderen Seite des Tisches sitzt

Wenn du selbst etwas verkaufst, lohnt es sich vielleicht, die Systemkosten auf dieselbe Folie zu schreiben wie den Preis. Das kostet dich womöglich den ersten Eindruck. Und es erspart dir das Gespräch, in dem dein Kunde die ganze Rechnung selbst aufmacht.

Ob ein Kunde dort zögert, wo aus dem Preis ein Systempreis wird, zeigt dir erst jemand, der den Kauf hinter sich hat. Im Kaufgrund-Befund führen wir ein Interview mit einem echten Käufer aus deinem Markt, gehen seinen Kauf Schritt für Schritt durch und legen das Ergebnis neben deine Annahmen.

Sieh an einem echten Kauf, wo gezögert wurde →

Quellen

Preise, Verfügbarkeit und Systemvoraussetzungen wurden am 7. Oktober 2026 an der Quelle geprüft. Die Bewertung richtet sich gegen das Angebot, nicht gegen den Anbieter.

Weitere Artikel zu verwandten Themenbereichen: JTBD · Praxisbeispiel · Produktentwicklung

Kaufgrund-Befund

Warum kaufen unsere Kunden wirklich?

Ein echter Käufer im Interview, abgeglichen mit deinen Annahmen.

1.900 € netto

Geld zurück, wenn nichts Neues gegenüber der Liste
0 € Mehrkosten bei Sprint binnen 30 Tagen

Kaufgrund-Befund ansehen

OC-Radar abonnieren

  1. 30-Min-Kickoff mit Annahmenliste
  2. Ein Interview (60 Min, Kauf oder Absprung in den letzten zwölf Monaten, Kunde rekrutiert)
  3. Auswertung mit „Was wir nicht wussten“
  4. Ergebnisgespräch mit dem Entscheider