OC-Radar Ausgabe 3: Verklagt wurde deswegen doch noch keiner

OC-Radar Ausgabe 3 · versendet am 21. August 2026 · alle Ausgaben

OC-RADAR AUSGABE 3 · 21. AUGUST 2026

Signale zwischen KI und Kundenverständnis – alle zwei Wochen, in drei Minuten.

das hier ist der OC-Radar, Ausgabe 3. Meine Wette, jede Ausgabe aufs Neue: KI skaliert die Ausführung – aber warum deine Kunden kaufen, weiß sie nicht.

Diesmal beginnt die Geschichte in meinen Interviews zur KI-Kompetenz. Ein Satz fällt dort immer wieder: Das sei ja ein Gesetz, aber verklagt worden sei deswegen doch noch keiner. Einer hat trotzdem gehandelt. Sein Grund hatte mit dem Gesetz wenig zu tun – dieselbe Verwechslung finde ich gerade an drei weiteren Stellen: erst die Maßnahme kaufen, dann fragen, wofür.

AUS DEM FELD

Er ist Personalleiter in einer mittelständischen Spedition. Hängen geblieben war bei ihm ein Artikel über eine Firma, die etwas nicht richtig gekennzeichnet hatte. „Wenn du im Handelsblatt stehst mit deiner Firma mit solchen Negativschlagzeilen, ist das halt auch nicht gut fürs Marketing.“ Sein Fazit: „Also deshalb ist das Geld besser aufgehoben, vorher in Schulungen zu investieren, als hinterher zu reparieren.“

Die Geschäftsführung gab einen Sondertopf frei, 50.000 Euro, aufgebraucht in vier Monaten statt gestreckt übers Jahr. Bevor davon etwas ausgegeben wurde, wurde sortiert: „dass wir uns wirklich überlegt haben, wer kriegt oder wer soll welches Modul kriegen […], für wen ist das sinnvoll, für wen nicht.“ Die Sachbearbeiter bekamen anderes als die Leitenden, die durch die Rechtsprechung mussten.

AUF DEM RADAR

1. LinkedIn sortiert KI-Einheitsbrei aus. Das Marketing AI Institute hat am 12. August beschrieben, wie die Plattform generischen KI-Content zurückstuft; „AI Slop“ ist dort inzwischen ein Qualitätsproblem mit eigenem Namen. Wer Menge produziert, weil das Werkzeug sie hergibt, zahlt jetzt drauf. Durch kommt, was nur du über deine Kunden weißt.

2. Die Pflicht, mit der gerade Angst verkauft wird, ist seit drei Wochen eine andere. Am 27. Juli ist die Neufassung von Artikel 4 der EU-KI-Verordnung in Kraft getreten (Digital-Omnibus-Verordnung 2026/1744). Aus dem Sicherstellen wurde ein Unterstützen, und im Verordnungstext steht jetzt ausdrücklich, dass niemand für irgendeine Person ein bestimmtes Kompetenzniveau garantieren muss. Bußgeldbewehrt war Artikel 4 ohnehin nie.

Grafik Artikel 4 EU-KI-Verordnung vorher nachher

3. „Jobs to be done“ steht schon wieder in einer Stellenanzeige. Salesforce sucht weltweit „Agentforce/AI Deployment Strategists“ – Tokio, Toronto, Madrid – und schreibt wörtlich in die Rollenbeschreibung: „lead design workshops, agent design sessions, and jobs-to-be-done analysis“. Das zweite Weltunternehmen binnen vier Wochen, das Kaufkontext-Kompetenz einstellt, statt sie einzukaufen. (Das erste war Moody's, nachzulesen im Archiv.)

FÜNF MINUTEN

Nimm die drei Rollen, die bei euch am meisten mit KI arbeiten, und schreib hinter jede einen Satz: Was muss diese Person können, damit ihre Arbeit besser erledigt wird als heute? Kein Kursname, kein Toolname. Fallen dir die Sätze leicht, bist du weiter als die meisten.

DIE EINE FRAGE

Was weißt du über deine Kunden, das nicht längst in den Trainingsdaten deiner Wettbewerber steht?

Ich beantworte sie absichtlich nicht. Wenn dir dazu etwas einfällt – oder auffällig wenig –, schreib mir gern. Die spannendsten Antworten greife ich in der nächsten Ausgabe auf, ohne Namen.

Nächstes Mal: warum der objektiv bessere Kauf gegen den verliert, der zur Lebenssituation passt.


Der OC-Radar ist ein kurzer Brief, der alle zwei Wochen per Mail erscheint: zwei, drei Signale zwischen KI und Kundenverständnis, die kein Lärm sind – dazu ein Fall aus unserer laufenden Forschung. Unter drei Minuten gelesen. Hier kannst du dich eintragen. · Alle Ausgaben